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Feder, Tinte und Papier...
Kultur des Schreibens über Länder und Zeiten

Eine der größten Leistungen des menschlichen Geistes ist die Erfindung der Schrift. Sie berührt zwei wesentliche Seiten unserer Existenz: die geistige Leistung und das gegenseitige Verstehen. Nur sie macht es möglich, Gesprochenes und Erdachtes für einen späteren Gebrauch zu erhalten und weiterzugeben. Ohne sie gäbe es weder eine Geschichtsschreibung, noch eine technische oder kulturelle Entwicklung. Umso erstaunlicher ist es deshalb, dass Wirksamkeit und Auswirkungen der Schrift von den meisten Menschen kaum gesehen werden.

Ausstellungsraum, Teilansicht

Vom Höhlenbild zum Alphabet

Wenn Schrift dem Gedanken und dem Wort Dauer geben soll, dann gehören die Bilderschriften ebenso dazu wie die Höhlenmalereien. Sie waren Ausdruck einer Bitte an die Gottheit, Hinweise auf gute Jagdgründe oder Bericht für die  Nachwelt.
Durch die Entwicklung abstrakten Denkens wurden naturnahe Bilder durch Symbole und Zeichen ersetzt, die gesprochenen Worten entsprachen. Dasselbe Zeichen wurde verwendet zur Wiedergabe von Worten, die nur lautlich einander gleich waren, jedoch unterschiedliche Bedeutung hatten. Damit war der Weg zu Buchstaben und Alphabet vorgezeichnet. Erste Spuren finden sich bei den Phöniziern, dem großen Handelsvolk im heutigen Libanon. Von dort brachten es die Griechen Anfang des 9. Jh. v. Chr. nach Europa.
Den phönizischen Konsonanten wurden Vokalzeichen zugefügt und so eine Schrift geschaffen, die den Klang der Sprache wiedergab. Wiederum brachten griechische Siedler das Alphabet nach Italien, wo die Etrusker es übernahmen und an die Römer weitergaben. Daraus entstanden die lateinischen Buchstaben, Vorläufer unserer Schrift.

Besuchergruppe, Frau Sch?nebeck

Worauf und womit geschrieben wurde

Die Keilschrift in Mesopotamien, dem heutigen Irak, wurde mit einem Griffel aus Schilfrohr, Knochen, Holz oder Metall meist auf Tontafeln geschrieben. Was für künftige Zeiten erhalten bleiben sollte, wurde auf Stein geritzt. Bekanntes Beispiel dafür ist die Gesetzessäule des Königs
Hammurabi aus Babylon. Papyrus gab es in Ägypten bereits um 3000 v.Chr. Gewonnen wurde es aus der gleichnamigen Staude. Die Pharaonen verstanden es, aus dem gefragten Exportartikel eine Quelle des Reichtums zu machen. Pergament, aus Tierhaut hergestellt, wurde in Asien schon 1400 v. Chr. zu chreibzwecken verwendet. Namensgeber für dieses Produkt wurde die Stadt Pergamon in Kleinasien.
Von dort kam seit dem 2. Jh. v. Chr. besonders hochwertiges Material. Bis ins Mittelalter spielte es für Urkunden und Bücher eine große Rolle. Selbst als Gutenberg seine erste Bibel druckte, wurde neben Papier auch Pergament verwendet. Es gilt als sicher, dass das Papier in China erfunden wurde.
Erste Funde stammen aus dem 2. Jh. n. Chr.. Bis ins 8. Jh. gelang den Chinesen die Geheimhaltung der Papierherstellung. Über die arabische Welt erreichten die Kenntnisse im 13. Jh. in Spanien das Abendland.

Schreibutensilien
Formen und Schönheit der Schrift

Die Chinesen verwendeten feine Pinsel aus Tierhaar. In Ägypten schrieb man mit der Rohrfeder. Tinte und Tusche waren in beiden Kulturen bekannt. Die Rohrfeder wurde später in ganz Europa benutzt und ca. 800 n. Chr. fast vollständig von der Vogelfeder verdrängt. Seit dem 18. Jh. spielte auch der Bleistift eine Rolle. Ab Mitte des 19. Jh. führte die maschinell hergestellte Stahlfeder zur Revolution in der Schreibtechnik. Anfang des 20. Jh. begann die Verbreitung des Füllfederhalters, der seit den 50er Jahren im Alltag vom Kugelschreiber verdrängt wurde. Formen und Schönheit der Schrift Chinesische, japanische und auch arabische Schriftzeichen beeindrucken durch ihre künstlerische Gestalt, ihre Vielfalt und die Ausdruckkraft der ornamentalen Formen, selbst wenn man sie nicht lesen und verstehen kann. Unsere heutige Schrift ist über viele Stufen aus der römischen Kapitalis, der Schrift in Großbuchstaben, entstanden, wie sie an vielen repräsentativen Bauwerken erhalten ist. Für den Alltag entwickelte sich eine flüssigere, fortlaufend  geschriebene Kursiv- oder Kurrentschrift, aus der unsere lateinische Schrift hervorgegangen ist.

Feder, Tinte und Papier      Ausstellungvitrine

Mit Gutenberg und den beweglichen Buchstaben begann eine neue Epoche der Kultur des Schreibens. Da der einzelne Buchstabe eine geschlossene Einheit bildete, gab es kein gebundenes Schriftbild. So blieb hier eine Nische für die Kunst des Schönschreibens, die Kalligraphie. Die gebundene Handschrift
galt als vornehm und wurde besonders für Urkunden verwendet. Eine der Weiterentwicklungen, die "englische Schreibschrift", hat ihren Platz im heutigen Schriftenkatalog erhalten. Dagegen sind die Varianten der deutschen Schreibschrift fast in Vergessenheit geraten. Eine von ihnen, Sütterlin, war seit 1924 in den preußischen Grundschulen verbindlich, danach auch in den meisten übrigen deutschen Ländern. Dennoch gab es in Deutschland erst ab 1934 eine einheitliche Schreibschrift, angelehnt an Sütterlin. Bereits 1941 fand sie ihr Ende, als die lateinische "Normalschrift" eingeführt wurde, die bis heute gilt.

die schreibende Hand

Zu dieser Ausstellung

Die Bedeutung der Schrift als Kommunikationsmittel erahnt, wer ein paar Augenblicke darüber nachdenkt, was es ohne sie nicht gäbe …Trotzdem wird sie als etwas Selbstverständliches angesehen und in ihrer Bedeutung für die Entwicklung der Menschheit kaum gewürdigt.

Die Ausstellung zeigt an Beispielen, wie die Schrift entstand, wie sie weiter entwickelt wurde und welche Vielfalt es gibt. Zu sehen sind unterschiedliche Schreibwerkzeuge und Accessoires, deren Entwicklung besonders in den letzten 200 Jahren vom technischen Fortschritt geprägt wurde. Der Bogen spannt sich von wertvollen Stücken des Kunsthandwerks bis hin zu Erzeugnissen industrieller Serien- und Massenproduktion. Bei den Schrifterzeugnissen reicht die Bandbreite von religiösen Texten, über Schriftstücke der Poesie, bis zu persönlichen Briefen.

Briefwechsel mit Leibniz

Eine Besonderheit der Ausstellung sind die „Briefe an Leibniz“, die Ruth Tesmar, Professorin für Künstlerisch-Ästhetische Praxis an der Humboldt-Universität, in einer erfundenen Briefpartnerschaft an den großen Universalgelehrten geschrieben hat. Dessen vielfältige Ideen sind fast ausschließlich in Briefen überliefert, die er im regen schriftlichen Austausch mit Zeitgenossen verfasste. Ruth Tesmar ließ sich davon inspirieren und schrieb an Leibniz. Dabei befasste sie sich mit seinen Erfindungen und Ideen, aber auch mit dem Menschen, über den wenig bekannt ist. Brieffetzen und Gedankensplitter wurden mittels Collagen kommentiert und interpretiert. Fazit: „Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen“. Die Bilder waren Teil der Ausstellung „Briefe an Leibniz“, die 1997 in der Humboldt-Universität gezeigt wurde.

Der Informationsaustausch in der modernen Kommunikation wird immer schneller, immer oberflächlicher. Briefeschreiben wirkt dagegen wie eine „Zeit-Verlangsamung“, die einen anderen, sorgfältigeren Umgang mit dem geschriebenen Wort ermöglicht.

Konzept und Gestaltung der Ausstellung:
Waltraud Schönebeck


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Artikel geändert: 2008-07-14 00:05:04


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