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Vom Funk zum Rundfunk
Die Telefunken und das Radio
vom 7. Februar 2017 bis 3. Dezember 2017


Bereits im Jahr 2016 zeigte das Steglitz-Museum eine kleine Ausstellung zum Radio und seinem Lichterfelder Erfindergeist Manfred von Ardenne (1907-1997). Damit wurde ein tragendes Element der Medienkommunikation angesprochen, das in unserem kulturellen Bewusstsein einen unverrückbaren Platz einnimmt.

Von Ardenne schuf eine technische Neuheit, mit der das Tonmöbel Radio entstehen konnte. Der Rundfunk war die eigentliche Botschaft, die im ausgehenden 20. Jahrhundert unsere Medienkultur beeinflusste, prägte und veränderte. Der Rundfunk schuf ein völlig neues kulturelles Bewusstsein, das Menschen in den Bann zog, sie in den 1920er Jahren von den Leiden der Nachwirkungen des Ersten Weltkrieges und der Wirtschaftsinflation mittels Unterhaltung entlasten, sie bilden und jedem, auch dem Ärmsten, Wissen bringen sollte.


Detailansicht Telefunkenradio, Privatsammlung | Fotografie: W. Gieschler
Im Dritten Reich erfasste Reichspropagandaminister Joseph Goebbels das Medium Radio als Machtinstrument. Dem Rundfunk wurden die demokratischen Flügel gestutzt, und nach politischer Säuberung und Gleichschaltung konnten sich die Nationalsozialisten an der Spitze über alles erheben und dem Volk ihren alleinigen Willen aufzwingen. Der Rundfunk wurde zur Macht über Menschen und zur Waffe im Krieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in der „Stunde Null“, sollte der Rundfunk erneut Menschen Kraft und Mut spenden. Als über dem geteilten Deutschland der kalte Krieg entbrannte, wurde die Botschaft Rundfunk zur Macht und zur Stütze im geteilten Deutschland. Der Steglitzer Hans Mahle glaubte als Intendant im sowjetischen Sektor an Demokratie, was ihn schließlich zu Fall brachte. Die Regie des RIAS glaubte im amerikanischen und britischen Sektor an Gerechtigkeit, was den Sender begehrter machte. Die Berlinblockade der Sowjets konnte den Menschen im westlichen Sektor nicht die Lebensluft nehmen. Der ostzonale Rundfunk wurde zur Macht über Mensch und Gerechtigkeit. Er ersann die „Blutjustiz“ und den Menschenraub (wie im Fall des Steglitzers Walter Linse), er zwang des Menschen Sinn hinter Stacheldraht und Mauern. Der Rundfunk westlich der innerdeutschen Grenze führte durch das Wirtschaftswunder, und aus der Luftbrücke wurde eine Sendebrücke zwischen zwei Welten. Aus Lichterfelde kam Hans Rosenthal, der die Unterhaltung im Rundfunk beflügelte. und Fritz Genschow, der als „Onkel Tobias vom RIAS“ grenzenlos Kinderherzen beglückte. Der Rundfunk schwebte zwischen Demokratie und Machtduktus über Grenzen, die schließlich Menschen zu brechen vermochten, er war ihre Stütze. Wiedervereinigung brauchte Worte der Verständigung, und auch der Rundfunk wurde zur Botschaft eines geeinten Deutschlands.


Quelle:commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42931283
Der Schriftzug Telefunken stand als Markenzeichen auf dem Radio, und die Telefunkenuhr am Telefunkenturm in der Goerzallee war weithin in Lichterfelde zu sehen.
Das Radio war eines der Markenprodukte des Medienkonzerns, der weltumspannend agierte. Die Telefunken wurde zu einem Wahrzeichen Lichterfelder Industrieproduktion. Doch das Werk, das Tausende von Arbeitern beschäftigte, wurde auch ein Faktor sozialer Ausprägungen.
Das Telefunkenwerk dehnte sich im Berliner Südwesten mit Wohnquartieren aus und schuf Lebens- und Familienbilder.

Doch in der eigentlichen Botschaft war und ist der Rundfunk ein bedeutender Kulturfaktor, der mit Persönlichkeiten die Lebensbilder der Menschen prägte. Fröhlichkeit und Unterhaltsamkeit brachte der Lichterfelder Hans Rosenthal im Nachkriegsberlin durch den Äther, und Onkel Tobias vom RIAS haben die Menschen auch heute noch in der Erinnerung. Der erste Rundfunk-Intendant im kriegszerstörten Berlin war ein Lichterfelder, der eine Schlüsselrolle in dem von Sektoren geteilten Berlin spielte.

Aber wie kann uns die Botschaft Rundfunk als Hörer erreichen? Im Radio steckt Technik und Physik. An Versuchsstationen kann man den Empfang von Radiowellen ausprobieren, womit die Geschichte begann. Rundfunkempfang erzeugte in den 1920er Jahren leidenschaftsvolle Funker und Radiobastler. Mit dem Kopfhörer konnte man die ersten Konzerte und Rundfunkansagen empfangen. Und jede Sendung endete mit den Worten: Vergessen Sie nicht, Ihre Antenne zu erden! Die Kopfhörer, über die die ersten Radiosender empfangen werden konnten, waren ein Hit und das Familiengeschenk schlechthin. Den Anfang aber bildete der Morsefunk, und auch diese Versuchsstation sollte man in der Ausstellung nicht vergessen.
Morsen kann eine spannende Tonzeichensprache sein, die Sie unbedingt versuchen sollten. Das komfortable Radio der 1930er Jahre brachte das Magische Auge hervor, und wie das funktioniert, muss man im Versuch selber erkunden.
Unsere PC-Technik erlaubt uns, auch komplizierte Techniken sichtbar zu machen, so verhält es sich mit der Sprache, die sich im technischen Medium zeigen muss, um sie zu senden. Hier ist wieder der versuchsfreudige Besucher eingeladen, diesen technischen Vorgang selbst zu ergründen.

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Ein Rektor aus Lichterfelde
Johannes Stroux und der Wiederaufbau des Berliner Wissenschaftsbetriebs nach 1945
vom 7. Februar 2017 bis 3. Dezember 2017


Nach der Katastrophe des Nationalsozialismus galt es für die Alliierten, unbelastete Persönlichkeiten in Deutschland zu finden, die beim politischen, wirtschaftlichen und technischen Wiederaufbau mitzuhelfen bereit und geeignet waren. Hinsichtlich des ebenso wichtigen geistigen Wiederaufbaus galt dem in der NS-Zeit stark kompromittierten Bildungsbereich besonderes Augenmerk.

Ein Großteil der Professorenschaft an den Universitäten wurde für die Wiederaufnahme des Lehrbetriebs dringend benötigt. Die Berliner Universität Unter den Linden befand sich nach der Aufteilung der Stadt in Sektoren im sowjetisch besetzten Ostteil. Die Sowjets (und die mit ihnen zurückkehrenden Exilkommunisten) konnten nicht darauf verzichten, auch ‚bürgerliche‘, nichtkommunistische Wissenschaftler zur Mitarbeit zu gewinnen.

Zu diesen gehörte der in Lichterfelde wohnende Altphilologe Johannes Stroux (1886-1954), der mit dem Rektorat der am 29. Januar 1946 wiedereröffneten Universität (später: Humboldt-Universität) und der Präsidentschaft der Deutschen (ehemals Preußischen) Akademie der Wissenschaften zwei wissenschaftliche Spitzenämter in seiner Hand vereinigte.



Eröffnung der Universität Unter den Linden am 29. Januar 1946 im Admiralspalast (mit Arthur Werner,
dem ersten Oberbürgermeister von Berlin nach 1945, 2.v.l., und Johannes Stroux im Amtsornat des
Rektors), Foto: P. Cürlis, Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-R99113 / CC-BY-SA 3.0 (Wikimedia Commons)

Die Ausstellung möchte den Lebensspuren dieses heute wenig bekannten Gelehrten nachgehen, der schon in der Weimarer Republik in München einen der bedeutendsten Lehrstühle seines Faches innehatte und als Wissenschaftsorganisator hervortrat. Mit seinem Wechsel nach Berlin 1936, seiner Zuwahl in die Preußische Akademie der Wissenschaften und seiner Mitgliedschaft im erlesenen Kreis der berühmten Mittwochsgesellschaft nahm er einen der ersten Ränge im damaligen wissenschaftlichen Berlin ein. Der Mittwochsgesellschaft, von deren Mitgliedern mehrere in Lichterfelde und Steglitz wohnten, gehörten bedeutende Vertreter des deutschen Widerstands gegen Hitler an.

Die Ausstellung weitet den Blick auf das geistige Berlin vor dem Hintergrund der schwierigen Alltagsbedingungen in der zerstörten Stadt. Deren Südwesten spielte als Wohnort vieler Professoren, als Wissenschaftsstandort (Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft / Kaiser-Wilhelm-Institute) und nicht zuletzt als Ort der 1948 in Reaktion auf den an der Linden-Universität zunehmenden politischen Gesinnungsdruck gegründeten Freien Universität (FU) eine herausragende Rolle. Diese Entwicklung möchte die Ausstellung über den Wiederaufbau des Berliner Wissenschaftsbetriebs nach 1945 im Spannungsfeld der beginnenden politischen Teilung Deutschlands anhand der Biographie von Stroux, aber auch der anderer Persönlichkeiten aus Steglitz und Zehlendorf nachzeichnen.

Ein Begleitprogramm mit Vorträgen und Führungen vertieft und/oder erweitert die Themen der Ausstellung.

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Erinnerung an Siegfried Borris (1906-1987)
Komponist, Musikwissenschaftler, Musikpädagoge und Musikpolitiker
vom 7. Februar 2017 bis 3. Dezember 2017


Oft genug sind bedeutende Wegbereiter für eine neue und bessere Zeit nach dem II. Weltkrieg inzwischen der Vergessenheit anheimgefallen.
Siegfried Borris, Komponist, Musikpädagoge, Musikwissenschaftler und Musikpolitiker, der wesentlich den Neubeginn des Musiklebens in Deutschland mitgestaltet hat, gehört zweifellos zu ihnen.
Als Hochbegabter in der Schule, im Studium und als Komponist – Hindemith hat ihn ohne besondere Vorbereitung als Schüler angenommen – war Borris bereits mit 22 Jahren Dozent, dann Professor an der Berliner Musikhochschule.
Als Sohn eines jüdischen Vaters musste er die Hochschule 1933 verlassen.
Mehrfache Denunziationen zwangen ihn in den Untergrund, und durch eine Reihe glücklicher Fügungen hatte er überlebt und konnte nach 1945 wieder an der Musikhochschule arbeiten. Allerdings – ein trauriger Treppenwitz der neueren Geschichte – nahm man ihm wegen seiner musikalischen Kontakte auch nach Ostberlin und Ostdeutschland den Professorentitel, den er erst 1970 wieder erhielt.


Siegfried Borris (Privatbesitz Familie Borris)
Borris‘ Mitwirkung und sein Anteil beim Wiederaufbau und der Neuorganisation des Musiklebens nach 1945 in Berlin und der Bundesrepublik ist nicht hoch genug einzuschätzen.
In dem 1946 in Darmstadt gegründeten Institut für Neue Musik und Musikerziehung gehörte er zum Vorstand und war zehn Jahre lang 1. Vorsitzender. Bis 1972 war er Präsident des 1963 gegründeten Verbands Deutscher Musikerzieher und Konzertierender Künstler VDMK und führte die Künstlerverbände der deutschsprachigen Nachbarländer zu gemeinsamen Konferenzen zusammen.
An den Initiativen zu den Wettbewerben »Jugend musiziert« und dem »Deutschen Musikwettbewerb« hatte er maßgeblichen Anteil.
Dem Deutschen Musikrat gehörte Borris seit 1964 an, wurde 1969 dessen Vizepräsident und ab 1971 sein Präsident für 6 Jahre. Danach übernahm er trotz Krankheit die Ehrenpräsidentschaft und entfaltete – auch über den Internationalen Musikrat und damit über die Grenzen Deutschlands hinaus – erhebliche musikpolitische und bildungspolitische Aktivität und Wirkung.

Bei der großen Fülle von Aufgaben hatte er sich dennoch immer wieder Freiräume für sein kompositorisches Schaffen, das er als seine eigentliche Bestimmung ansah, erhalten können.
Auch für das Schreiben von etlichen Büchern zur Musik, einer großen Anzahl von Kongressreferaten, Aufsätzen zu Komponisten, zu Ästhetikfragen und Neuer Musik, Jazz und Popularmusik, zu Pädagogik, Musikleben, zur Oper und anderem fand er die Zeit. Für den Schulfunk hat er rund 500 Sendungen zu allen musikalischen Fragen verfasst.
Sein kompositorisches Werk umfasst die meisten musikalischen Gattungen. Musikalischer Extremismus der Nachkriegszeit war ihm fremd; die Nachfolge des musikalischen Expressionismus sah er im »Vitalismus«, und in der Auseinandersetzung mit den Vertretern der Schönberg-Schule blieb er in der Nähe der Tonalität.
Berlin-Lichterfelde war dreiunddreißig Jahre lang seine Heimat.

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Ausstellungen im Steglitz-Museum
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