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Lesung von Dr. Katharina Lange über Hans Mahle – Intendant des Berliner Rundfunks der ersten Stunde

20. Oktober 2017-19:00 - 20:30

Als am 13. Mai 1945 inmitten von Trümmern der Sender Berlin im Auftrag der sowjetischen Alliierten auszustrahlen begann, avancierte er schnell zum Hoffnungsträger vieler Demokraten. Hans Mahle – Kommunist, Mitglied der „Gruppe Ulbricht“ und rundfunkerfahren – war der Mann, der mit der ersten Intendanz beauftragt wurde. Er blieb nur kurze Zeit in diesem Amt. Das politische Klima wechselte.

Von den bewegenden Anfängen liest Autorin Katharina Lange (Riege) aus ihrem Buch „Einem Traum verpflichtet. Hans Mahle – eine Biographie“ (VSA-Verlag 2003) und lässt dabei den Porträtierten mit seinen Motivationen auch selbst zu Wort kommen.

Über ihre Beschäftigung mit Hans Mahle berichtet die Autorin: „Als ich Ende 1994 im Auftrag des Instituts für zeitgeschichtliche Jugendforschung in Moskau weilte, um in Archiven nach jugendpolitischen Konzepten für Nachkriegsdeutschland zu suchen, stieß ich auf Papiere aus der Feder von Hans Mahle. Der Hamburger Arbeiterjunge und Jungkommunist, der nach mutigen und nicht selten waghalsigen Aktionen gegen die Nazis nach Moskau floh, gehörte seit 1943 zu einer Gruppe von Parteifunktionären, die seitens der Exilführung der KPD für Führungsaufgaben nach dem Krieg vorgesehen war. 32jährig entwickelte er als Mitglied des neu gegründeten Nationalkomitees Freies Deutschland (NKFD) ein Sofortprogramm für die deutsche Jugend zum Wiederaufbau, das auf demokratischen Prämissen beruhte und von einem Kommunistischen Jugendverband Abstand nahm. Vorausgegangen waren vielfältige eigene tragische Erfahrungen mit der Spaltung der Arbeiterjugend, die harten Diskussionen um den von ihm geleiteten Schwarzsender „Sturmadler“, der nach Deutschland ausstrahlte und versuchte, vom nationalsozialistischen Standpunkt aus Kritik zu üben sowie zahlreiche aufwühlende Gespräche mit deutschen Soldaten und Offizieren in sowjetischen Kriegsgefangenenlagern.
1945 kehrt Hans Mahle mit der „Gruppe Ulbricht“ nach Deutschland zurück. Zu diesem Zeitpunkt waren die Überlegungen aus den ersten Monaten des NKFD längst Makulatur. Die Militärregierungen der vier Besatzungsmächte verfolgten andere Pläne. Doch Mahle wurde anderweitig gebraucht. Der Berliner Stadtkommandant Bersarin erteilte ihm den Befehl, den Sender Berlin wieder in Gang zu setzen. Ein neues spannendes Kapitel im Leben des Hans Mahle begann, das seiner Intendanz beim Berliner Rundfunk. Über Hintergründe, Verlauf und jähes Ende wird auf der Lesung im Steglitz-Museum am 20. Oktober 2017 zu hören sein, auch aus dem Munde von Hans Mahle selbst.
Ich durfte Hans Mahle noch persönlich kennen lernen. Über zwei Jahre besuchte ich ihn regelmäßig in seiner Wohnung am Steglitzer Damm. Er erzählte mir aus seinem ungewöhnlichen, an Brüchen reichen Leben nahe den Brennpunkten politischen Geschehens in Europa. Dass er trotz aller erlittener Niederlagen an seiner kommunistischen Überzeugung festhielt, stimmte mich nachdenklich, und es drängte mich, ein Buch darüber zu schreiben. Es wurde auch ein Buch über einen bewegten Abschnitt der Rundfunkgeschichte.“

Katharina Lange

Die Autorin wuchs im thüringischen Jena auf. Von 1977-1982 absolvierte sie ein Studium der Geschichtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1982-1990 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Akademie der Wissenschaften der DDR in der Forschungsgruppe Weimarer Republik, später im neu gegründeten Institut für zeitgeschichtliche Jugendforschung und bis 2000 am Institut für Sozialpädagogik der Technischen Universität Berlin. Sie widmete sich Fragen der Außenpolitik in der Weimarer Republik, publizierte biographische Studien und nahm sich speziellen Forschungsfragen zur Geschichte der Jugend und Jugendgenerationen in der DDR an. 1990 promovierte sie zum Dr. phil., war danach im Institutsmanagement u.a. an den Verhandlungen zur Einbringung des Archivs der Freien Deutschen Jugend in das Bundesarchiv beteiligt. 2003 erschien ihr Buch: „Einem Traum verpflichtet. Hans Mahle – eine Biographie“, mit dem sie exemplarisch den Weg eines deutschen Kommunisten im 20. Jahrhundert zwischen Hoffnung und Tragik mit einem speziellen Fokus auf das Verhältnis von Selbst- und Fremdbestimmung nachzeichnete. Nachdem ihr Arbeitsverhältnis an der TU aufgrund eines Einstellungsstopps nicht fortgesetzt werden konnte, arbeitete sie, ausgestattet mit zusätzlichen Berufsabschlüssen im Management, als Projektleiterin von Kinder- und Jugendprojekten, baute ein Geschäftsfeld im Bereich Altenhilfe für ein mittelständisches Berliner Unternehmen auf, leitete eine Begegnungsstätte in Friedrichshain und gründete parallel ein eigenes kleines Unternehmen. Besonderen Widerhall fanden Ihre Kulturprojekte „Fest der Sinne“ im Schloss Biesdorf im Rahmen von kultour à la carte 2008 und ihr interkulturelles, generationenübergreifendes Tanzprojekt „Reif für den Frieden“, das beim Kreuzberger Karneval der Kulturen 2012 von der Jury mit einem 2. Platz geehrt wurde. Heute arbeitet sie als Koordinatorin der Kontaktstelle PflegeEngagement Friedrichshain-Kreuzberg.

Das Buch von Katharina Lange ist leider vergriffen, kann aber beim Verlag gegen eine Spende heruntergeladen werden. Zum Download hier.

Anmeldung erbeten
per E-mail veranstaltungen@steglitz-museum.de
oder telefonisch: 030/ 8 33 21 09

Teilnahme kostenlos

Details

Datum:
20. Oktober 2017
Zeit:
19:00 - 20:30